ARITIKEL

Getrost & Co

Montag, 17. Oktober 2016

Getrost & Co

Alles in Familia

Es lag vielleicht auch daran, dass Rainer Getrost in seinem gelernten Beruf als Elektriker nicht so recht die Erfüllung gefunden hatte, denn als seine Schwiegereltern 1991 von einer USA-Reise nach Hause zurückkehrten und von einem mobilen Sägewerk erzählten, das sie dort gesehen hatten,  war er sofort hoch interessiert. Sie hatten wohl auch seine Liebe zum Holz geweckt, denn schon damals arbeiteten seine Schwiegereltern in der Holz- und Forstwirtschaft. Und wie es nun mal so ist, wenn eine Idee Besitz von einem ergreift, sucht man weitere Informationen, spricht mit diesem, erfährt etwas von jenem und braucht dann nur noch den entscheidenden Impuls zu einem klaren Entschluss. Als dann das  Sägewerk im Nachbarort niederbrannte und klar wurde, dass es nicht wieder aufgebaut werden sollte, entschloss er sich 1992 zum Kauf einer mobilen Wood-Mizer LT40 mit Hydraulik und Benzinmotor. Der Kreis hatte sich geschlossen, denn die Säge war damals noch ein rein US-amerikanisches Produkt.


Manchmal greifen die Zahnräder des Lebens perfekt ineinander. Sturm „Wiebke”, aus dem Jahr 1990, brachte bald so viel Arbeit, dass aus den anfänglichen zwei Sägetagen bald fünf und sechs Tage wurden.
Als Elektriker kannte er sich gut aus mit Stromspannungen. Wie man aber mit Spannungen im Holz umgeht, lernte er von seinem Onkel, der schon 1945 in französischer Kriegsgefangenschaft mit einem mobilen Sägegatter gearbeitet hatte, das damals in aufwendiger Arbeit vor Ort immer erst einsatzbereit gemacht werden musste. Die Hilfsbereitschaft österreichischer Kollegen auf den Fachmessen schlossen dann die letzten Wissenslücken und zeigten ihm auch die geheimen
  Kniffe.

1995 waren die Auftragsbücher so gut gefüllt, dass der Betrieb um eine 2-Blatt-Kreissäge erweitert wurde.  Wegen des hohen Verschnitts und der eingeschränkten Einsatzmöglichkeiten, wurde die Maschine jedoch bald nur noch bei knapp 20% der Aufträge eingesetzt, bevor Getrost sie wenige Jahre später wieder abschaffte, um sie durch eine Wood-Mizer LT40 Superhydraulik mit 40PS Dieselmotor zu ersetzen, die in allen Bereichen seinen Ansprüchen genügte. Mittlerweile war aus dem ehemaligen Elektriker Getrost ein erfahrener Säger geworden, dem es neben der Produktivität immer auch um bestmögliche Qualität geht. So verfügte seine LT40 schon damals über von ihm selbst gebaute Runterziehklemmen, die auch bei spannungsreichem Holz maßhaltige Schnitte erlaubten. Eine immer dringlicher gewordene Halle wurde 1996 nach zweijähriger Planungsphase  errichtet und 2004 durch den Einbau einer Kranbahn zu einer perfekten Produktionsstätte für den Betrieb ausgebaut.

Natürlich ist die Firma Getrost längst kein Ein-Mann-Betrieb mehr. Ehefrau Edith, die neben ihrer Arbeit in Haushalt und Betrieb eine Imkerei betreibt, kümmert sich um die Auftragsannahme und das Schärfen der Bänder. 
Die drei Söhne Thorsten, Bernd und Heiko sind zwischen 23 und 30 Jahre alt, haben alle einen handwerklichen Beruf gelernt und bringen ihr Wissen auch gern in den Betrieb ein.  Thorsten als Kfz-Mechaniker übernimmt die Wartungs- und Reparaturarbeiten an den Maschinen. Bernd  ist als Maschinenbautechniker für die Entwicklung von Neuerungen zuständig. So hat er z.B. einen speziellen Sägekopf für den Bau ihrer Baumstammtreppe entwickelt.
Neben der Lohnsägerei ist die Produktion dieser mustergeschützten Treppen ein ebenso wichtiger Umsatzträger wie die schweren Außenmöbel  und der Verkauf von Bauholz.
Schließlich der jüngste Sohn Heiko, angehender KFZ-Mechatroniker Meister, der zuständig ist für die Elektrik und die Motoren.
Unbestritten ist Getrost einer der Pioniere unter den mobilen Lohnsägern und natürlich Mitglied der Wood-Mizer „Hall of Fame”. 2006 bestellte er eine LT70, die auf sein Betreiben hin mit einer Funkfernbedienung ausgestattet wurde. Die Maschine leistet, mit mittlerweile weit über 5000 Betriebsstunden auf der Uhr, durch die regelmäßige Wartung störungsfrei ihren Dienst.
Dass Getrost auf bald 20 Jahre erfolgreicher Arbeit in der Sägerei zurückblicken kann, ist auf seine Zuverlässigkeit, den Einfallsreichtum und Fleiß zurückzuführen. Streckenweise war es, wie er sagt auch mit Knochenarbeit und deftiger Schinderei verbunden. Ein bisschen Glück gehört sicher auch dazu.  Bei Wind und Wetter in der freien Natur, und nach 8 Stunden Arbeit geht es erst richtig los. Hobbys, bei denen man sich auf feste Zeiten festlegen muss, vergisst man am besten. „Dein Hobby ist dein Beruf geworden”.
Einen Ausgleich findet er beim Fallschirmspringen, das er mit über 1000 Absprüngen offenbar erfolgreich betreibt, und seiner 1100er Kawasaki, mit der er und seine Frau ausgedehnte Touren unternehmen. Auch für ein Bierchen mit Freunden und Bekannten bleibt noch Zeit. Bei denen ist er längst nicht mehr der Rainer sondern nur noch der Säger. Auf den alljährlichen Urlaub musste Familie Getrost noch nie verzichten.
  
 

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