ARITIKEL

Donnerstag, 24. August 2017

Neues aus Altholz - Ein Bericht von Friedrich Halweg

Etwa 15 Km nördlich von Linz, der Landeshauptstadt Oberösterreichs und mit knapp 190.000 Einwohnern Europäische Kulturhauptstadt für das Jahr 2009, liegt auf ca. 600 Metern Höhe die kleine Marktgemeinde Altenberg.

Die Firma Ramerstorfer hat hier ihren Sitz am Rande der Ortschaft und ist mit ihrem großen, aufgeräumten Altholzlager kaum zu übersehen. Die Auffahrt zum Wohnhaus ist gesäumt von Paletten mit bereits fertig geschnittenen Brettern und fein säuberlich bearbeiteten Backsteinen, die in einem ungewöhnlichen Format zum Teil noch die Stempel kaiserlich- königlicher Ziegeleien tragen. Robert Ramerstorfer begrüßt mich freundlich und schon wenige Minuten später stehen wir an diesem sonnigen Wintertag mitten zwischen all den Stapeln von geschnittenem und rohem Altholz, und er erzählt über die Besonderheiten seines Geschäfts.

Vor über 35 Jahren begann Ramerstorfers Vater mit dem An- und Verkauf von Ziegeln und Möbeln aus Wiener Abbruchhäusern. Schnell florierte das Geschäft und als die Söhne alt genug waren selbst ins Berufsleben einzusteigen, wurde der eine Steinmetzmeister und der andere zum Altholzfachmann.
Überwiegend Fichte findet man hier in verschiedensten Qualitäten. Einige der Balken aus Abrisshäusern tragen mit groben Bohrlöchern, verrosteten Nägeln oder Ausschnitten noch die Spuren ihrer damaligen Funktion. Alte Villen sind häufig die Lieferanten von Altholz und Ziegeln, aber auch Fachwerkhäuser, Scheunen und die dicken Bohlen aus den Versorgungswegen von Ställen liefern brauchbares bis sehr gutes Material. Altholz, erklärt Ramerstorfer, ist nicht nur an Jahren altes, sondern auch auf althergebrachte Weise mit der Axt oberflächenbearbeitetes Holz. Auch die dadurch entstandenen Strukturen, machen das Holz für die Wiederverwertung so interessant und damit für viele Architekten, Innenarchitekten, Tischler- und Zimmereien zu einem begehrten Baumaterial.

1997 wurde für das Zuschneiden von Altholz die erste Wood Mizer LT25 angeschafft. Da aber der manuelle Vorschub und die Höhenverstellung mit Handkurbel auf Dauer zu langsam gingen wurde die Sägekopfbewegung von der Fa. Ramerstorfer elektrifiziert. Heute wird das Altholz von drei Mitarbeitern auf der alten LT25-Säge, einer neuen LT20 und einer Nachschnittbandsäge SHR von Wood-Mizer veredelt. Zumeist sind nur die vier Außenseiten eines Balkens für die Weiterverarbeitung zu Möbeln, Türen, im Bau oder Innenausbau interessant. Der Rest wird zu Brennmaterial geschreddert. Da im Holz oft Fremdkörper versteckt sind, müssen die Bänder manchmal schon nach einem Schnitt gewechselt werden. Dabei bieten die Sägebänder der Schmalbandtechnik gegenüber den Breitbandsägen den Vorteil des niedrigen Preises in Einkauf und Wartung. Die leichtere Handhabung der schmalen Bänder vereinfacht auch ein schnelles Auswechseln. Mit dem Schärfen von Sägebändern mochte sich Robert Ramerstorfer nicht abgeben. Seit 2000 lässt er sämtliche Bänder von Wood-Mizer in Schletau wieder aufarbeiten. Der Preis für das Pakete schicken ist mit den Jahren gesunken, so dass die 7,-€ pro Band inklusive hin-und herschicken leicht zu kalkulieren sind.

Anders als bei frischem Holz, wird bei Altholz das Brett immer von der unteren, aufliegenden Seite geschnitten. Dadurch wird eine maximale Ausbeute erzielt. Ein gutes Auge für den besten Bereich eines Balkens ist wichtig, denn durch einen falschen Schnitt kann ein wertvolles Stück schnell ruiniert sein.
Die Kunden kommen aus Italien, Österreich, der Schweiz, Frankreich und Deutschland. Das Geschäft basiert auf gegenseitigem Vertrauen und ist durch Mund-zu-Mund-Werbung in Jahrzehnten ständig gewachsen.

Ein Tischler aus Tirol beispielsweise, bestellt unbesehen einige Paletten Brettware zur Herstellung einer Küchenfront. Dabei vertraut er vollkommen auf Ramerstorfers Auswahl, weiß aber auch, dass er mit ca. 50% Verschnitt rechnen muss. Oft muss durch Schädlingsbefall gefährdetes Holz in Dämpfanlagen behandelt und danach wieder kammergetrocknet werden, doch obwohl der Aufwand den Preis um mehr als 100€/m³ erhöht rechnet es sich für die Tischlerei. Kann Robert Ramerstorf eine gewünschte Holzart nicht liefern, wird der Kunde an einen Mitbewerber vermittelt, von denen es eine ganze Reihe gibt. Durch jahrelange Erfahrung weiß er, dass der sich irgendwann revanchieren wird.

Ca. 3.000Fm Altholz werden jährlich im Betrieb Ramerstorfer verarbeitet. Als Nebenprodukt fallen außer Hackschnitzeln noch etwa 20t Späne an. Deshalb lässt Ramerstorfer zurzeit eine Absauganlage installieren, die die Späne zu einer leistungsfähigen Presse transportiert, in der sie dann zu Holzbriketts von hohem Heizwert verpresst werden. Das hilft die Heizkosten für das 200m² große Wohnhaus zu senken.

Ein anderer wichtiger Erwerbszweig der Familie Ramerstorfer ist die Steinmetzerei des Bruders. In einer großen, lichten Halle auf dem Anwesen entstehen, aus Marmor, Sandstein und Granit geschnittene Bauteile für Küchen und Bäder, Portale und fein verzierte Rahmen für Hauseingänge und Türen sowie Grabsteine.

Zum Abschluss meines angenehmen Aufenthalts bei Firma und Familie Ramerstorfer, führte mich Robert in den Kellerneubau seines Hauses. Einfach umwerfend. Ich sah ein perfekt gebautes Kellergewölbe aus kaiserlich-königlichen Ziegelsteinen mit Säulen und einer Wendeltreppe aus Granit. Auch dies, eine der vielen beeindruckenden Arbeiten eines funktionierenden Familienbetriebes, in dem einer dem anderen hilft, man voneinander lernt, sich ergänzt und drei Generationen harmonisch unter einem Dach leben.
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